Oft kann das Jahre dauern.
Einer von diversen Gründen dafür: Leitlinien werden in der Regel als statische PDF-Dokumente veröffentlicht und oft nur alle paar Jahre gesammelt aktualisiert. Bis neugewonnene Erkenntnisse bewertet und in Leitlinien publiziert werden, vergeht häufig wertvolle Zeit.
Hier setzt die digitale Plattform „MAGICapp“ der gemeinnützigen Organisation MAGIC Evidence Ecosystem Foundation aus Oslo an. Statt Leitlinien als statische PDF-Dokumente zu verstehen, werden Empfehlungen dort in strukturierter, digitaler Form erstellt, veröffentlicht und kontinuierlich aktualisiert. Jede Empfehlung ist direkt mit der zugrundeliegenden Evidenz verknüpft und bewertet. So entsteht ein „Living Guideline“-Ansatz: Inhalte bleiben nicht über Jahre unverändert, sondern können laufend an neue Studien angepasst werden.
Für Nutzer bedeutet das konkret, dass Empfehlungen gezielt durchsuchbar und filterbar sind, die zugrunde liegende Evidenz sowie GRADE-Bewertungen transparent einsehbar werden, Entscheidungshilfen Arzt-Patienten-Gespräche unterstützen und Leitlinien kontinuierlich weiterentwickelt statt in festen Update-Zyklen gepflegt werden.
So entsteht wirksame Kommunikation im Gesundheitswesen! Denn die entscheidende Frage lautet nicht nur, welche Evidenz vorhanden ist, sondern auch, wie verständlich und zugänglich sie für die entsprechenden Zielgruppen gemacht wird.
Gerade in Bereichen mit einer hohen Dynamik der Evidenzentwicklung kann dieser Kommunikationsweg dazu beitragen, die Lücke zwischen Forschung und tatsächlicher Versorgung zu verkleinern. Denn Evidenz entfaltet ihr Potenzial erst, wenn sie dort ankommt, wo Entscheidungen getroffen werden.
Die eigentliche Herausforderung bleibt jedoch dieselbe wie bei vielen digitalen Innovationen im Gesundheitswesen: Nicht die Technologie selbst entscheidet über den Erfolg, sondern ihre Integration in bestehende Arbeitsabläufe und ihre Akzeptanz bei den Menschen, die sie nutzen sollen.
